awards
WiWo Award TRUSTEQ
BrandEins Berater 2026 Award
TRUSTEQ kununu awards
TRUSTEQ
CooperativeExcellence

Wer macht was?

Die Rollen im EUDI-Wallet-Ökosystem

Mit der EUDI-Wallet entsteht ein neues digitales Ökosystem für Identitäten und Nachweise in Europa. Bürgerinnen und Bürger sollen ihre Identitätsdaten künftig sicher in einer Wallet speichern und nutzen können. Für einen Überblick zur Einführung und Funktionsweise der Wallet empfehlen wir unseren vorherigen Blogpost.

Während im Gespräch zum neuen System häufig Nutzerinnen und Nutzer im Fokus stehen, wollen wir in diesem Beitrag einen Blick hinter die Kulissen werfen. Welche Rolle nehmen Unternehmen und Organisationen innerhalb des neuen Ökosystems ein? Wie kooperieren verschiedene Akteure, damit die Wallet funktioniert?

Drei Rollen sind zentral: Issuer, Wallet-Provider und Relying Party. Sie sorgen gemeinsam dafür, dass digitale Nachweise ausgestellt, sicher verwaltet und von Unternehmen oder Behörden überprüft werden können. Je nach Geschäftsmodell können Unternehmen künftig eine oder sogar mehrere dieser Rollen übernehmen.

Der Ablauf eines Wallet-basierten Prozesses:

  1. Ein Issuer stellt einen digitalen Nachweis aus.
  2. Ein Wallet-Provider stellt die technische Wallet-Infrastruktur bereit, in der der Nachweis gespeichert und verwaltet wird.
  3. Der Nutzer teilt den Nachweis bei Bedarf mit einer Relying Party.
  4. Die Relying Party prüft die Echtheit und verarbeitet die bereitgestellten Informationen.

Dabei werden Dokumente nicht einfach ausgetauscht, sondern kryptografisch signierte Verifiable Credentials übertragen. Deren Herkunft und Integrität können automatisiert überprüft werden. So lassen sich viele manuelle Prüf- und Identifizierungsprozesse ersetzen.

Ein typischer Anwendungsfall ist die Schadensmeldung bei einer Versicherung. Statt Ausweiskopien einzureichen oder sich über separate Verfahren zu identifizieren, können Kundinnen und Kunden die benötigten Identitätsdaten direkt aus ihrer EUDI-Wallet freigeben. Die Versicherung prüft automatisch, ob die Nachweise von einem vertrauenswürdigen Issuer stammen und unverändert sind. Dadurch wird der Identifizierungsprozess schneller, sicherer und medienbruchfrei.

Das Ziel: Vertrauenswürdige Informationen sollen digital, standardisiert und grenzüberschreitend genutzt werden können – ohne unnötige Medienbrüche oder manuelle Prüfprozesse.

Wie profitieren die Akteure im Ökosystem?

Issuer stellen digitale Nachweise aus, die anschließend in einer Wallet gespeichert werden können. Dabei kann es sich beispielsweise um folgende Nachweise handeln:

  • Identitätsdaten
  • Ausbildungs- und Qualifikationsnachweise
  • Führerscheine
  • Unternehmensbezogene Nachweise
  • Branchenspezifische Credentials

Je nach Anwendungsfall können Issuer sowohl einfache elektronische Attributsnachweise (Electronic Attestations of Attributes, EAA) als auch qualifizierte elektronische Attributsnachweise (Qualified Electronic Attestations of Attributes, QEAA) ausstellen. Weitere Infos zu EAAs & QEAAs kannst Du in unserem ersten Blog-Post nachlesen. Der Issuer ist also die vertrauenswürdige Quelle einer Information. Er bestätigt, dass bestimmte Angaben korrekt sind und digital nachgewiesen werden können.

Welchen Mehrwert bietet die Rolle?

  1. Standardisierte digitale Nachweise statt papierbasierter Dokumente
  2. Höhere Datenqualität
  3. Weniger manuelle Prozesse
  4. Schnellere und einfachere Weitergabe von Informationen

Darüber hinaus können Unternehmen ihre verifizierten Daten direkt in digitale Geschäftsprozesse integrieren. Aus einmal ausgestellten Nachweisen entstehen so wiederverwendbare digitale Credentials, die Nutzer gegenüber unterschiedlichen Organisationen einsetzen können. Gerade Unternehmen mit einer starken Kundenbasis oder Organisationen, die bereits heute Bescheinigungen und Nachweise ausstellen, könnten künftig als Issuer auftreten.

Wallet-Provider stellen die technische Infrastruktur bereit, über die Nutzer ihre digitalen Nachweise sicher speichern, verwalten und mit ihrer Zustimmung teilen können. Dabei fungiert die Wallet als sicherer Vermittler zwischen Issuern und Relying Parties und ermöglicht die datensparsame Freigabe einzelner Attribute.

Welchen Mehrwert bietet die Rolle?

  1. Zugang zu neuen digitalen Ökosystemen
  2. Vertrauenswürdige digitale Interaktionen
  3. Neue digitale Services für Nutzer
  4. Stärkere Nutzerbindung durch zentrale digitale Prozesse

Unternehmen, die selbst als Wallet-Provider auftreten, können die Wallet zudem stärker in ihre bestehenden digitalen Services integrieren und dadurch zusätzliche Mehrwerte für ihre Kunden schaffen. Dies reicht von einer einheitlichen Nutzererfahrung bis hin zur Integration weiterer Identitäts- und Vertrauensdienste.

Relying Parties nutzen die in der Wallet gespeicherten Nachweise, um Informationen zu prüfen und darauf basierend Prozesse durchzuführen. Typische Beispiele sind:

  • Nachweisprüfungen
  • Identifikation im Kundenservice
  • Kontoeröffnungen
  • KYC-Prozesse
  • Vertragsabschlüsse
  • Altersverifikationen
  • Zugangs- und Berechtigungsprüfungen

Anstatt Dokumente hochzuladen oder Identifizierungsverfahren mehrfach durchlaufen zu müssen, können Nutzer die erforderlichen Informationen direkt aus ihrer Wallet bereitstellen.

Die Prüfung erfolgt dabei automatisiert anhand kryptografischer Vertrauensmechanismen. Dadurch kann die Relying Party unmittelbar erkennen, ob ein Nachweis authentisch, unverändert und von einem vertrauenswürdigen Issuer ausgestellt wurde.

Welchen Mehrwert bietet die Rolle?

  1. Schnellere digitale Prozesse
  2. Weniger manuelle Prüfungen
  3. Reduzierte Betrugsrisiken
  4. Höhere Nutzerfreundlichkeit
  5. Verbesserte Datenqualität

Besonders für regulierte Unternehmen wird diese Rolle relevant. Im Rahmen von eIDAS 2.0 werden viele Organisationen verpflichtet sein, EUDI-Wallets für definierte Anwendungsfälle zu akzeptieren. Für Banken betrifft dies beispielsweise KYC- und Onboarding-Prozesse oder die Nutzung der Wallet im Rahmen einer starken Kundenauthentifizierung (SCA).

Neben dieser regulatorischen Verpflichtung bietet die EUDI-Wallet jedoch auch konkrete Mehrwerte. Identitäts- und Nachweisprüfungen lassen sich stärker automatisieren, Medienbrüche reduzieren und bestehende Prozesse für Kunden sowie Mitarbeitende vereinfachen. So können beispielsweise Identitätsdaten im Onboarding oder bei der Authentifizierung direkt aus der Wallet übernommen werden, wodurch manuelle Dokumentenprüfungen und separate Identifizierungsverfahren entfallen.

Ab 2027 wird die EUDI-Wallet für viele digitale Geschäftsprozesse relevant. Insbesondere Banken und Versicherungen sind aufgrund der gesetzlichen Akzeptanzpflicht gefordert, sich frühzeitig auf die Integration vorzubereiten.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Auseinandersetzung mit der EUDI Wallet sollte nicht erst mit ihrer Einführung beginnen. Der Einstieg ist häufig einfacher als erwartet, denn als Relying Party lassen sich Wallet-Nachweise über spezialisierte Connector-Anbieter in bestehende Prozesse integrieren. Entscheidend ist daher weniger die technische Umsetzung als vielmehr die Identifikation sinnvoller Anwendungsfälle.

Ausblick: eine Wallet für Agenten

Langfristig könnte die EUDI-Wallet nicht nur von Menschen, sondern auch von digitalen Agents genutzt werden, also softwarebasierten Assistenten, die Prozesse im Auftrag von Nutzern oder Unternehmen automatisiert ausführen.

Denkbare Anwendungen sind etwa die automatisierte Einreichung von Nachweisen, die Vorbereitung von Vertragsabschlüssen oder Verifizierungsprozesse. Voraussetzung ist der kontrollierte Zugriff auf vertrauenswürdige digitale Identitäten und überprüfbare Nachweise.

Auch wenn diese Entwicklung noch am Anfang steht, schaffen EUDI-Wallet, Verifiable Credentials und europaweit einheitliche Vertrauensmechanismen bereits heute die Grundlage für solche Szenarien. Forschung und Standardisierung treiben zudem voran, wie digitale Identitäten künftig auch zwischen autonomen Systemen sicher genutzt werden können.

    Fazit

    Die EUDI-Wallet schafft ein europaweites Vertrauensökosystem, das die digitale Identifikation von Kunden, Partnern und Mitarbeitenden grundlegend verändern wird. Für Unternehmen geht es deshalb nicht mehr um die Frage, ob, sondern wie sie die Wallet in ihre Geschäftsprozesse integrieren und die regulatorischen Anforderungen erfüllen.

Hanna Viehweger

Senior Consultant Cyber Security

Diese Fragen sollten sich Unternehmen heute stellen:

  1. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Geschäftspartner, Kunden und Mitarbeiter genau die sind, für die sie sich ausgeben?
  2. Verfügen Sie über einen durchgängig digitalen, medienbruchfreien und automatisierten Prozess zur Identitäts- und Nachweisprüfung?
  3. Wie haben Sie sich auf die gesetzliche Akzeptanzpflicht für EUDI Wallets bis Ende 2027 vorbereitet?
  4. Wie werden Sie die verpflichtende Akzeptanz von EUDI Wallets technisch und organisatorisch umsetzen?

Gerne unterstützen wir Sie dabei, relevante Anwendungsfälle zu identifizieren, regulatorische Anforderungen einzuordnen und eine passende Integrationsstrategie zu entwickeln.

Expertengespräch vereinbaren